listvröude

Wortlistvröude
AutorHartmann von Aue
WerkIwein
TexttypArtusroman
Datierung1. Hälfte 13. Jhd.
ÜberlieferungHandschriftencensus
Textstellediu trüegevreude ist ein niht
diu sô mit listen geschiht
sô der munt lachet
und daz herze krachet
von leide und von sorgen.
ouch ist ez unverborgen,
ezn kiese listvreude ein man
der sich iht versinnen kan,
und welch vreude niht des herzen ist.
ouch half sî unlange ir list

(V. 4411–4422, listvreude: V. 4419)
EditionCramer 2001
Handschriftlicher
Wortbeleg
der
Leithandschrift
Iwein (A), Heidelberg, Universitätsbibl., Cpg 397; fol. 65a
Lesart
WortartSubstantiv
WortbildungKomposition, vgl. KSW III, § S359
list, stN. + vreude, stN.
usuell – durchsichtig
Entlehnung...
Position...
Reimwort...
Übersetzung/
Bedeutungsangaben
Scheinfreude (Lexer)
erheuchelte Freude (BMZ)
vorgetäuschte Freude (MWB)
weitere
sprachliche
Besonderheiten
Literarischer
Kontext
Episode mit dem Riesen Harpin (V. 4357–5144) im Rahmen der zweiten Aventiuresequenz von Iwein nach dessen Fristversäumnis und Krise.
Situation zu Beginn des Abenteuers: Iwein wird vom Burgherren freundlich und ehrenvoll empfangen. Es herrscht eine fröhliche Stimmung, die vom Erzähler jedoch früh als vorgetäuschte Freude der Burgbewohner enttarnt wird und was dann im Anschluss auf der Erzählebene auch aufgeklärt wird: Der Riese Harpin hat das Land verwüstet und bedroht nun Burg und Burgherren.
Literarische
Bedeutung/
Funktion
Kurzer Erzählerexkurs über das Wesen und den Wert vorgetäuschter Freude, in dem mehrfach die Worte vreude und list verwendet werden. Möglicherweise rhetorische Motivation der Einmalbildung listvreude als besonderer Kulminationspunkt eines Wortspiels (ungewohnte, originelle Wortform).
Weitere
literarische
Besonderheiten
Neben listvreude taucht im Rahmen des Erzählerexkurses mit -> trüegevreude (V. 4413) eine zweite Einmalbildung auf, die das Spiel mit den Worten vreude und list ebenfalls unterstreicht.
Weiterführende
Literatur
Hans-Werner Eroms: ‚Vreude‘ bei Hartmann von Aue. München 1970 (Medium Aevum. Philologische Studien 20).
Norbert Richard Wolf: vil gar vreude (Iwein V. 3215). Zu vreude und vreuen in Hartmanns ‚Iwein‘. In: Septuaginta quinque (FS Heinz Mettke). Hg. von Jens Haustein, Heidelberg 2000, S. 429–437.