Literarischer Kontext | Nach dem zweiten Guivreizkampf (V. 6814–7787) in der zweiten Hälfte der zweiten Aventiuresequenz (V. 3093–9857) erholen sich Erec und Enite bei Guivreiz auf Burg Penefrec (V. 7115–7264). Als Erecs Wunden geheilt sind und sie die Burg verlassen wollen, beklagt der Erzähler in einer kurzen Analepse auf die Oringlesepisode auf Burg Limors (V. 5730–6813) den Verlust von Enites Pferd. Am Hof von Guivreiz bekommt sie für die Abreise ein neues Pferd geschenkt, dessen ausführliche und kunstvolle Beschreibung (V. 7274–7766) der Erzähler mit einer Apostrophe an das Publikum (V. 7277) einleitet. |
Literarische Bedeutung/ Funktion | Die Einmalbildung steht am Schluss der Beschreibung des Pferdes und seiner Ausstattung. Die goltklangen hängen zwischen den Edelsteinen, mit denen das Zaumzeug des Pferdes geschmückt ist. Passend zur Bedeutung der Einmalbildung, ist sie als Teil einer dreifachen Alliteration (gehangen guote goltklangen) und des Endreims (: gehangen) klanglich in den Kontext eingebettet. Das Kompositum selbst enthält verschiedene velare Konsonanten des Mittelhochdeutschen ([g, k, ŋ]), wodurch eine wortimmanente klangliche Harmonie erzeugt wird. Am Ende des folgenden Verses, der den Klang der Glocken als von Ferne hörbar beschreibt, steht das zum Kopfnomen gehörende Verb klingen. Wie sich die Edelsteine, mit denen das Zaumzeug besetzt ist, symbolisch auslegen lassen (vgl. Scholz/Held S. 928f., dort weitere Literaturverweise), ließe sich auch eine Verbindung zur Symbolik des Golds in Erwägung ziehen, das neben Reichtum auch auf Enite übertragbare Attribute wie Treue und eine geläuterte Seele symbolisiert (Metzler Lexikon lit. Symbole, S. 232–234). Der Erzähler überträgt seine Beschreibung der Ausstattung des Pferdes zum Schluss (visuell) auf Enite: mit wârheite dem schœnisten wîbe wart gegeben diu in den jâren mohte leben, der edeln vrouwen Ênîten (V. 7763–7766). Durch die Farbassoziation mit dem Material der Glöckchen erhält die Einmalbildungen zudem einen synästhetischen Charakter, obwohl der klang auch metonymisch für das klingende Glöckchen steht. |
Weitere literarische Besonderheiten | Während die Farbgebung des Pferdes (V. 7291–7335) und die Beschreibung des Sattels (V. 7462–7668) offenkundig an Chrétien angelehnt sind (in V. 7299, 7462 als meister; vgl. Chrétien: Erec V. 5268–5312), fehlt dieser direkte Bezug bei der weiteren Ausstattung des Pferdes. Während bei Chrétien nur der Sattel aus Gold gefertigt ist, durchzieht das Material bei Hartmann die gesamte Beschreibung des Pferdes (V. 7543, 7671, 7716). Hartmann verewigt sich in dieser Beschreibung als Wortkünstler (s. auch ëbenwâc). |
Weiterführende Literatur | Okken, S. 196, Kommentar zu 7753: Klangen, = „aufgehängte Gegenstände, die hin und her gehen, baumeln, pendeln“. [=Schweizerdt. Wb.] |