goltklange

Wortgoltklange
AutorHartmann von Aue
WerkErec
TexttypArtusroman
Datierung2. Hälfte 12. Jhd.
Überlieferung Ambraser Heldenbuch Bl. 30r–50v
Textstelleder liehte carbunculus,
dâ behielt er sîn ambet sus,
wan im daz lieht ist geslaht,
ob im ie ze vinsterre naht
ze rîtenne geschæhe,
daz man dâ von gesæhe.
die einlif wâren hie in geleit,
an daz vürbüege zebreit,
zwischen den gehangen
guote goltklangen:
die hôrte man verre klingen.
von sus getânen dingen
was der satel vollebrâht
und baz dan ichs hân gedâht.


(V. 7744–7757, goltklange V. 7753)
EditionLeitzmann/Wolff 2006
Handschriftlicher
Wortbeleg
der
Leithandschrift
Lesart
WortartSubstantiv, schwach
WortbildungDeterminativkompositum
golt stN. ‚Gold‘ + klange (s. Sprachliche Besonderheiten)
Substanzielles Kompositum „Substanz – Produkt“ (KSW III, Kap. III.3, §S318–S321)
Entlehnung
Positionversende
ReimwortJa, gehangen
Übersetzung/
Bedeutungsangaben
‚goldenes Glöckchen‘, vgl. goltschelle (MWB)
‚goldene Schelle, Schelle von Gold‘ (Lexer, BMZ unter goltklenke)
Mertens: „wohllautende Goldglöckchen“
Scholz/Held: „helle, goldene Glöckchen“
Cramer: „schöne goldene Schellen“
Felber et al.: „vorzügliche Glöckchen aus Gold“
weitere
sprachliche
Besonderheiten
Das mhd. Kopfnomen klange ist als Simplex nicht belegt, dürfte aber mit klanc stM. verwandt sein. Lötscher (S. 97f.) schreibt, dass dieses Nomen vor allem für helle Geräusche und das „Ertönen von Metall“ verwendet wird. Im FWb gibt es einen Lemmaansatz für klang, unter dem auch ein mhd. Beleg für klenke auftaucht, was die Verwandtschaft, anhand derer Lexer und BMZ die Einmalbildung als goltklenke rekonstruieren, bestätigt.
Literarischer
Kontext
Nach dem zweiten Guivreizkampf (V. 6814–7787) in der zweiten Hälfte der zweiten Aventiuresequenz (V. 3093–9857) erholen sich Erec und Enite bei Guivreiz auf Burg Penefrec (V. 7115–7264). Als Erecs Wunden geheilt sind und sie die Burg verlassen wollen, beklagt der Erzähler in einer kurzen Analepse auf die Oringlesepisode auf Burg Limors (V. 5730–6813) den Verlust von Enites Pferd. Am Hof von Guivreiz bekommt sie für die Abreise ein neues Pferd geschenkt, dessen ausführliche und kunstvolle Beschreibung (V. 7274–7766) der Erzähler mit einer Apostrophe an das Publikum (V. 7277) einleitet.
Literarische
Bedeutung/
Funktion
Die Einmalbildung steht am Schluss der Beschreibung des Pferdes und seiner Ausstattung. Die goltklangen hängen zwischen den Edelsteinen, mit denen das Zaumzeug des Pferdes geschmückt ist. Passend zur Bedeutung der Einmalbildung, ist sie als Teil einer dreifachen Alliteration (gehangen guote goltklangen) und des Endreims (: gehangen) klanglich in den Kontext eingebettet. Das Kompositum selbst enthält verschiedene velare Konsonanten des Mittelhochdeutschen ([g, k, ŋ]), wodurch eine wortimmanente klangliche Harmonie erzeugt wird. Am Ende des folgenden Verses, der den Klang der Glocken als von Ferne hörbar beschreibt, steht das zum Kopfnomen gehörende Verb klingen. Wie sich die Edelsteine, mit denen das Zaumzeug besetzt ist, symbolisch auslegen lassen (vgl. Scholz/Held S. 928f., dort weitere Literaturverweise), ließe sich auch eine Verbindung zur Symbolik des Golds in Erwägung ziehen, das neben Reichtum auch auf Enite übertragbare Attribute wie Treue und eine geläuterte Seele symbolisiert (Metzler Lexikon lit. Symbole, S. 232–234). Der Erzähler überträgt seine Beschreibung der Ausstattung des Pferdes zum Schluss (visuell) auf Enite: mit wârheite dem schœnisten wîbe wart gegeben diu in den jâren mohte leben, der edeln vrouwen Ênîten (V. 7763–7766). Durch die Farbassoziation mit dem Material der Glöckchen erhält die Einmalbildungen zudem einen synästhetischen Charakter, obwohl der klang auch metonymisch für das klingende Glöckchen steht.
Weitere
literarische
Besonderheiten
Während die Farbgebung des Pferdes (V. 7291–7335) und die Beschreibung des Sattels (V. 7462–7668) offenkundig an Chrétien angelehnt sind (in V. 7299, 7462 als meister; vgl. Chrétien: Erec V. 5268–5312), fehlt dieser direkte Bezug bei der weiteren Ausstattung des Pferdes. Während bei Chrétien nur der Sattel aus Gold gefertigt ist, durchzieht das Material bei Hartmann die gesamte Beschreibung des Pferdes (V. 7543, 7671, 7716). Hartmann verewigt sich in dieser Beschreibung als Wortkünstler (s. auch ëbenwâc).
Weiterführende
Literatur
Okken, S. 196, Kommentar zu 7753: Klangen, = „aufgehängte Gegenstände, die hin und her gehen, baumeln, pendeln“. [=Schweizerdt. Wb.]