Literarischer Kontext | In der zweiten Hälfte der zweiten Aventiuresequenz verbringen Erec und Enite im Anschluss an den zweiten Guivreizkampf und das Nachtlager im Wald (V. 6814–7114) einen erholsamen Aufenthalt bei Guivreiz auf Burg Penefrec. Kurz bevor sie in Begleitung ihres Gastgebers zum Artushof aufbrechen (V. 7798–7800), schenken Guivreiz und seine Schwestern Enite großzügig ein neues Pferd für die Reise, dessen Einzigartigkeit und prunkvolle Ausstattung der Erzähler über viele hunderte Verse kunstvoll beschreibt (V. 7264–7766). |
Literarische Bedeutung/ Funktion | In der Einmalbildung ebenwâc, die in der „Beschreibung der sanften Gangart des Pferdes“ (Mertens, S. 685) auftaucht, führt der Erzähler seine kunstvolle Ausführung über ebendieses fort. Ähnlich wie das Hapax legomenon goltklange (s. dort), ist auch ebenwâc klanglich mehrfach in den Kontext eingebettet: Auffällig sind die Wiederholung der symmetrischen Lautfolge ebe auf, die die Wörter ebenwâge swebet einklammert, und des meist langen, monotonen a-Lauts in den beiden folgenden Versen (hât, âne angest gât). Besonders prominent wiederholt sich der Gleitlaut [w] im direkt folgenden Verb swebet und der Alliteration wint ze wunsche im nächsten Vers. Diese Wiederholungen wirken im Kontext der Semantik der Einmalbildung onomatopoetisch.
Das Hapax legomenon lässt sich als Oxymoron lesen, bei dem das Attribut eben im Kontrast zu wâc steht, das laut BMZ und Lexer vor allem bewegtes Wasser bezeichnet und sich als ‚Woge‘ ins Neuhochdeutsche übertragen lässt. Die Übersetzung von Felber et al. als ‚ruhige[r] Seegang‘ vereint Ruhe und Bewegung in sich. Der Gang des Pferdes wird von einem Schiff abgehoben, das sich selbst bei ruhiger See nie so sanft fortbewegen könnte wie Enites Pferd. Diese Textstelle schließt die Beschreibung des Pferdes endgültig und die Handlung wird fortgesetzt. |
Weitere literarische Besonderheiten | Klangliche Wiederholungen von -ebe- im Zusammenhang mit natürlichen Bewegungen kommen in der Ekphrasis des Pferds und seiner Ausstattung noch häufiger vor, z.B. in der Beschreibung des Sattels in V. 7610f., wieder in Form des schwebenden Meeres, in dem der Fisch lebete (zwei Wiederholungen der Silbe), und in V. 7645–7653 bei der Beschreibung des Vogel- und Drachenflugs (sechs Wiederholungen der Silbe). Mit der Beschreibung dieses einmaligen Tieres und seiner überaus kunstvollen Ausstattung inszeniert sich Hartmann gleichermaßen als Wortkünstler (s. auch goltklange.
Mertens und Okken verweisen auf weitere Stellen zur schwebenden Gangart von Enites Pferd(en): V. 7446–7459 (daz er [der auf dem Pferd säße] dar ûfe lebete/ rehte sam er swebete) und V. 1437–1441 (dar zuo und ez sanfte gie). |
Weiterführende Literatur | Verweise auf weitere Stellen zur Gangart (Tölt):
Mertens, S. 685; Okken, S. 196. |